

Auf einem sonnigen Bauernhof im Süden Frankreichs lebte Matilda, ein kleines Hühnchen mit goldenen Federn. Sie hüpfte gern durchs Gras, pickte ein paar Körner und hörte am allerliebsten den Geschichten von Oma und Omi zu, zwei alten Hennen, und von den jungen Hennen Océane, Manon, Aurégane und Enora.
Mitten auf dem Hof stand der große hölzerne Hühnerstall. Er wurde bewacht vom gefürchteten (na ja, er hielt sich jedenfalls für gefürchtet) Kapitän Jack, einem Hahn mit strammer Soldatenhaltung, der jeden Morgen krähte, als würde er dem ganzen Hof einen Befehl erteilen:
„Kikerikiii! Aufstehen, Soldaten!“

Eines Tages, als sie am Zaun entlangspazierte, entdeckte Matilda eine rote Schnauze. Es war Oscar, ein neugieriger junger Fuchs. Ganz anders, als die Hühner dachten, war er überhaupt nicht böse. Er wollte vor allem Freunde finden.
„Hallo!“, sagte Oscar lächelnd.
„Hallo…“, antwortete Matilda ein bisschen misstrauisch.
„Wollen wir zusammen spielen?“
Schon bald wurden sie Freunde. Sie erzählten sich Geschichten, jeder auf seiner Seite des Zauns.

Doch nach einer Weile hielt Oscar es nicht mehr aus:
„Und wenn wir uns mal richtig treffen?“
Ohne lange zu überlegen, fing er an, einen kleinen Tunnel unter dem Zaun zu graben. Matilda gluckste vor Lachen:
„Aber du machst dir ja dein ganzes schönes Fell schmutzig!“

Als der Tunnel fertig war, schlüpfte Matilda heimlich hinaus, und die beiden Freunde liefen zum Fluss, wo das Wasser in der Sonne glitzerte.
Am Ufer hörten sie ein seltsames Geräusch… Platsch! Plumps! Wusch!

Ein sehr fleißiger Biber sauste eine riesige Wasserrutsche hinunter, die er über seinem Damm gebaut hatte.
„Hallo! Ich heiße Hector!“, rief er lachend. „Wollt ihr auch mal?“
Matilda und Oscar nickten begeistert. Den ganzen Nachmittag lang rutschten sie, spritzten und lachten.
Nach so viel Spiel schlug Hector vor:
„Kommt doch mit zu mir, es gibt was Leckeres!“

Aber um hineinzukommen, musste man unter Wasser tauchen. Matilda hatte ein bisschen Angst.
„Dann werden ja alle meine Federn nass!“
„Macht nichts“, sagte Oscar. „Dann bist du das glänzendste Huhn im ganzen Stall!“
Also tauchten sie und entdeckten das hübsche Haus des Bibers: Wände aus Treibholz, ein Boden mit weichem Moos und auf dem Tisch… Nusskuchen und Apfelsaft.

Doch als die Sonne unterzugehen begann, merkte Matilda plötzlich:
„Oh nein! Kapitän Jack wird merken, dass ich nicht zurückgekommen bin!“
Sie rannten los, quer über die Felder.
Als sie beim Hühnerstall ankamen, sahen sie Kapitän Jack, kerzengerade, wie er von seiner Stange aus den Hof bewachte.
„Wie komme ich denn jetzt hinein?“, fragte Matilda besorgt.
„Lass mich nachdenken…“, antwortete Oscar.

Da hatte Oscar eine Idee: Sie würden Joe, das alte Pferd vom Hof, um Hilfe bitten.
„Joe, kannst du mit deinem Huf gegen die Tränke schlagen? Dann ist der Hahn abgelenkt.“
Joe lachte und machte BUMM BUMM BUMM!
Kapitän Jack glaubte, es sei ein Alarm, und rannte nachsehen. Dabei rief er:
„Zu den Waffen, meine Hühner!“

Im ganzen Durcheinander brachte Oscar Matilda zum Hühnerstall zurück. Sie kroch durch den kleinen Tunnel und schlüpfte hinein, ganz außer Atem, aber glücklich. Durch das kleine Fenster lächelte der Mond, und die Sterne funkelten.
In dieser Nacht kuschelte sich Matilda zwischen Oma, Omi, Océane, Manon, Enora und Aurégane und schlief ein. Sie träumte schon von ihrem nächsten Abenteuer mit Oscar und Hector.